Warum manche Menschen in Meetings nicht gehört werden
- Claudia D.
- 17. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Mai
Montagmorgen, 08:10 Uhr.
Die Teamsitzung läuft bereits seit ein paar Minuten. Es geht um die Änderung eines dringenden Produkt-Layouts. Die Stimmung ist angespannt, die Zeit knapp, alle wirken leicht gereizt.
Marco spricht bereits zum dritten Mal. Laut, schnell, spontan. Ideen kommen ihm direkt in den Sinn und genauso direkt und schnell spricht er sie aus: „Wir müssen das jetzt einfach endlich entscheiden. Sonst drehen wir uns wieder wochenlang im Kreis.“
Teamleiterin Sandra nickt: „Ja, absolut. Wir brauchen heute eine Lösung.“
Am anderen Ende des Tisches sitzt Elena, ruhig und beobachtend. Sie hat seit Beginn des Meetings kaum etwas gesagt. Nicht, weil sie keine Meinung hätte, im Gegenteil. Während die anderen diskutieren, sortiert sie innerlich bereits Zusammenhänge, Risiken und mögliche Auswirkungen.
Eigentlich hat sie einen wichtigen Gedanken. Sie erkennt etwas, das später tatsächlich zum Problem werden könnte: Das neue Produkt-Layout lässt sich mit den bestehenden technischen Abläufen und Druckprozessen nicht sauber umsetzen.
Zweimal setzt sie an, etwas zu sagen. Zweimal spricht jemand dazwischen – niemand hört ihr wirklich zu.
„Ja, aber wir müssen jetzt einfach mal machen!“, wirft Marco erneut ein.
Sandra schaut auf die Uhr und erwidert: „Gut, dann entscheiden wir das jetzt so.“
Elena schweigt. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil ihr richtiger Moment zum Sprechen nie gekommen ist. Wie so oft in Meetings fühlt sie sich unsichtbar. Nicht gehört. Nicht wahrgenommen.
Nach dem Meeting hält Sandra sie kurz zurück: „Du wolltest vorher doch noch etwas sagen, oder?“ Elena nickt leise: „Ja … aber irgendwie war wieder kein Raum da, meinen Gedanken fertig auszusprechen.“
Sandra schaut sie einen Moment an: „Es tut mir leid. Ich glaube, wir überhören dich viel zu oft.“ Elena schaut kurz zu Boden, bevor sie antwortet: „Es würde mir helfen, wenn du mich in den nächsten Meetings bewusst zum Sprechen einladen würdest. Zum Beispiel mit: ‚Und Elena, was meinst du dazu?‘“
Fazit: Das Aha-Erlebnis
Was in Teams oft wie Zurückhaltung, Langsamkeit oder fehlende Präsenz wirkt, ist in Wahrheit häufig etwas ganz anderes: eine andere Art der Informationsverarbeitung und eine Art „Sprachhemmung“.
Im Human Design gibt es Menschen mit der Veranlagung „Genie oder Freak“. Diese Menschen brauchen oft zuerst innere Ordnung, bevor sie klar und strukturiert sprechen können. Ihre Gedanken entstehen nicht linear im Moment des Redens, sondern entfalten sich pulsartig (on/off), vernetzt und oft ungewöhnlich tiefgründig.
Lassen sie sich die nötige Zeit und Ruhe, entsteht daraus häufig ein aussergewöhnlich wertvoller Beitrag. Denn sie sprechen nicht einfach spontan; sie sprechen aus einem inneren Wissen heraus. Oft mit einer spürbaren und schubartigen Klarheit von: „Ich weiss.“
Werden diese Menschen jedoch unterbrochen, übergangen oder sprechen sie zu früh, gehen genau jene Perspektiven verloren, die für Teams, Entscheidungen und Entwicklungen entscheidend sein können.
Denn wenn sie zu früh sprechen, wirken ihre Aussagen auf andere manchmal sprunghaft, kompliziert oder schwer nachvollziehbar. Nicht, weil ihre Gedanken falsch wären, sondern weil ihr innerer Verarbeitungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Genau deshalb ziehen sich viele irgendwann zurück oder werden vorschnell als „zu komplex“, „zu langsam“ oder eben als „Freak“ wahrgenommen.
Für diese Menschen ist ein anderer Ablauf entscheidend:
innerlich sortieren
abwarten, nicht sprechen!
Raum oder Einladung von den anderen erhalten
dann erst sprechen
Klingt simpel. Verändert aber erstaunlich viel! Ich weiss, es fällt einem sehr schwer! ;-) Ich spreche aus persönlicher Erfahrung.
Genau darin liegt der Mehrwert dieses Human-Design-Wissens: Teams lernen, unterschiedliche Kommunikationsweisen besser zu erkennen, und Menschen werden plötzlich gehört, verstanden und gezielter eingebunden.
Du willst mehr über dich und dein Team erfahren? Melde dich gerne bei mir!


Kommentare